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Alkohol in den Wechseljahren : warum Dein Körper jetzt anders reagiert

17/2/2026
Der Prosecco am Abend, das Achterl Rotwein zum Runterkommen – für viele Frauen gehört das einfach dazu. Doch gerade in den Wechseljahren reagiert der Körper sensibler auf Alkohol. Warum das „Gläschen in Ehren“ plötzlich Schlaf, Bauchfett, Stimmung und Hitzewallungen beeinflusst und weshalb der Rotwein-Mythos heute kritisch gesehen wird, erfährst Du in diesem Artikel.

Alkohol in den Wechseljahren: Warum Dein Körper jetzt anders reagiert

„Ein Achterl schadet doch nicht … oder?“

Hand aufs Herz: Für viele Frauen gehört ein Glas Wein am Abend einfach dazu. Der Prosecco beim Mädelsabend, der Aperol Spritzer auf der Terrasse, das kleine Achterl Rotwein nach einem langen Tag. Es ist kein „Trinken“, es ist ein Ritual. Ein Moment zum Durchatmen, eine kleine Belohnung nach all den To-dos und Verpflichtungen. Und irgendwo im Hinterkopf klingt dieser Satz mit: „Ein Glas Rotwein am Tag ist doch gut fürs Herz.“

Noch vor einigen Jahren hielt sich der Mythos vom „gesunden Rotwein“ hartnäckig. Das berühmte französische Paradoxon, die Polyphenole im Rotwein sollten angeblich das Herz schützen. Beobachtungsstudien zeigten vermeintliche Vorteile bei moderatem Konsum.

Heute wissen wir: Diese Effekte lassen sich nicht eindeutig dem Alkohol zuschreiben. Viele Studien deuten darauf hin, dass die positiven Ergebnisse oft eher an einen insgesamt gesünderen Lebensstil gebunden waren. Die WHO stellt klar: Es gibt keine sichere Menge Alkohol, wenn es um Krebsrisiko geht.

Und das ist besonders für Frauen in den Wechseljahren wichtig. Was Dein Körper mit 30 noch locker weggesteckt hat, verträgt er mit 45 oder 50 deutlich weniger gut.

Warum Alkohol in den Wechseljahren stärker wirkt

Mit den Wechseljahren verändert sich einiges im Körper: Der Östrogenspiegel sinkt, Muskelmasse nimmt ab, Wasseranteil und Grundumsatz verändern sich. Alkohol wird schneller und stärker wahrgenommen, gleichzeitig belastet er die Leber, die ohnehin schon viel Arbeit beim Hormonabbau hat.

Alkohol kann Hitzewallungen verstärken, den Schlaf unruhiger machen und den Stoffwechsel belasten. Effekte, die Frauen in dieser Lebensphase oft einfach als Teil der Wechseljahre wahrnehmen, ohne den Zusammenhang mit ihrem Alkoholkonsum zu sehen.

Was Alkohol im Körper konkret bewirkt

Hitzewallungen

Alkohol erweitert die Blutgefäße und steigert die Körpertemperatur, genau wie Hitzewallungen es tun. Das Glas Wein, das früher nur zum Entspannen da war, kann plötzlich die Intensität oder Häufigkeit Deiner Hitzewallungen erhöhen. Viele merken erst, wie stark der Zusammenhang ist, wenn sie eine Zeit lang bewusst auf Alkohol verzichten.

Schlaf

Ja, Alkohol macht müde und hilft vielleicht, schneller einzuschlafen. Aber er stört die REM-Schlafphase ,die Phase, in der wir uns wirklich erholen. Viele Frauen wachen dann mitten in der Nacht auf, fühlen sich nicht ausgeruht und kämpfen am nächsten Tag mit Müdigkeit, Heißhunger und gereizter Stimmung.

Bauchfett

In den Wechseljahren verschiebt sich die Fettverteilung stärker in den Bauchbereich. Alkohol liefert nicht nur zusätzliche „leere“ Kalorien, er verlangsamt auch die Fettverbrennung und steigert den Appetit. Das Glas Wein nach dem Job kann sich so schneller auf den Hüften bemerkbar machen, als man denkt.

Gesundheitliche Risiken

Alkohol beeinflusst den Hormonstoffwechsel und steigert das Risiko für Brustkrebs, besonders nach der Menopause. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhte Triglyceride und Entzündungsprozesse werden begünstigt. Die Leber ist in dieser Lebensphase ohnehin gefordert: Alkohol kann Fettleber und langfristige Schäden begünstigen.

Und auch der Darm reagiert empfindlicher: Alkohol kann die Darmbarriere schwächen, Entzündungen fördern und das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen. Das wirkt sich wiederum auf Immunsystem, Stimmung und Hormone aus.

Stimmung

Viele Frauen trinken, um sich zu entspannen, doch langfristig kann Alkohol Angstgefühle verstärken, depressive Verstimmungen fördern und das Nervensystem destabilisieren. Gerade in der hormonell sensiblen Phase der Wechseljahre ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Muss ich jetzt komplett verzichten?

Warum eigentlich nicht? Stell Dir diese Frage mal ehrlich: Warum trinkst Du überhaupt Alkohol? Ist es der Geschmack, das Gefühl der Entspannung, das schöne Glas in der Hand, die Gesellschaft oder einfach das Ritual am Abend?

All das lässt sich auch anders erleben. Alkoholfreier Prosecco, eisgekühltes Tonic Water im Kristallglas, ein frisch gemixter Mocktail in der Lieblingsbar können ebenfalls Genuss, Entspannung und Ritual bringen, ganz ohne die Belastung für Deinen Körper.

Natürlich kann ab und zu ein Achterl Rotwein oder ein Glas Prosecco ein kleiner Genussmoment sein, der kaum schadet. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Momente zur Gewohnheit werden und du übersiehst, dass du dir damit langfristig schadest.

Es geht nicht um Verzicht aus Zwang, sondern um Entscheidungen aus Selbstfürsorge. Denn Dein Körper verändert sich, und gerade jetzt lohnt es sich, bewusst auf ihn zu hören.

Quellen
  1. World Health Organization (WHO). Alcohol and cancer risk.
  2. International Agency for Research on Cancer (IARC). Alcohol Consumption Monographs.
  3. North American Menopause Society (NAMS). Menopause Practice Guidelines.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Alkoholkonsum und Gesundheit.
  5. Healthline (2023). Alcohol and Menopause.
  6. My Menopause Centre (2022). Alcohol and the Menopause.
  7. Verywell Health (2023). Alcohol and Liver Health.